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Über den Totenkopf bis Plauer Hof

·608 Wörter·3 min
Wanderung Natur

Überflutete Weiden

Länge: 14 km (3-4h)
Schwierigkeit: viele Wald- und Feldwege, aber keine Steigungen
GPX-File, Tour bei Komoot

Ich beginne meine Wanderung am Bahnhof Görden. Es geht in kurz in den Veilchenweg hinein, dann aber gleich rechts in den Maulbeerweg. Die Häuser hier und in der Straße Zu den Eichen wurden größtenteils in den 30er Jahren für Heimkehrer aus dem 1. Weltkrieg gebaut. Auf alten Karten findet man daher für diese Ecke des Gördens die Bezeichnung “Kriegerheimstätten”. Am Ende des Maulbeerwegs geht es nach links und dann immer im Zickzack weiter, bis man eine Siedlung gleichförmiger weißer Häuser erblickt. Die Straße trägt den Namen Pflegerdorf und das gibt einen Hinweis auf den Ursprung der Häuser. Diese wurden im Zuge der Errichtung der nahegelegenen Irrenanstalt (heute Asklepios Fachklinikum Brandenburg) als Behausung für das Klinikpersonal gebaut. Mein Großvater, der hier in der Gegend aufgewachsen ist, nannte die Siedlung immer bei ihrem ursprünglichen Namen Wärterdorf, aber das war dann wohl politisch nicht mehr korrekt genug.

Ich wandere an dieser Stelle in den Wald, biege am Forsthaus links ab und bin endlich in der Natur - wenn auch nicht für lange. Eine alte Gärtnerei, die Felder und Gewächshäuser liegen schon lange brach, liegt verträumt am Waldrand. Weiter geht es an einer Kleingartensparte entlang bis zur Mageburger Landstraße und auf der anderen Seite in den Weg Falkenbergswerder hinein. Nach einer weiteren kurzen Waldstrecke öffnet sich das Panorama und gibt einen ersten Blick auf den Plauer See frei. Ich wandere weiter, am Waldrand entlang, über eine kleine Brücke bis zum Totenkopf einem kleinen Nebensee des Plauer Sees. Der westliche Teil dieses Gewässers ist vom Rest abgeschnitten, ein Paradies für Frösche und anderes Getier. Hier beginnt auch der Deich, den ich nun bis Plauer Hof als Weg nutze.

Aber erst einmal geht der Weg nach Osten, immer auf die Industriekulisse des Brandenburger Elektrostahlwerks zu. Die blauen Anlagen direkt am gegenüberliegenden Ufer gehören zum berühmt-berüchtigten Shredder, der in seiner Anfangsphase ob seiner Produktion an Lärm und Erschütterungen den Unmut der umliegenden Bevölkerung erweckte. Bald wendet sich der Deich aber nach Süden und dann nach Westen, wo die Aussicht auf die Inseln des Plauer Sees, Buhnenwerder und Wusterau, für das eben Durchgemachte entschädigt. Rechts des Weges, also Richtung Norden, sind die Viehweiden zu dieser Jahreszeit überflutet, das ergibt zusammen mit dem strahlenden Sonnenschein ein herrliches Panorama.

Überflutete Weiden
Überflutete Weiden

Die Siedlung Plauerhof ist eine dieser typische “Gutshof plus ein paar Häuser”-Siedlungen, wie man sie in Brandenburg häufig antrifft. Direkt am Wasser liegt einer der zahlreichen Wassersportvereine, die rund um den Plauer See verteilt ist. In diesem wird gesegelt. Der Verein legt sehr viel Wert auf Ordnung, wovon auch die zahlreich vorhandenen Hinweisschilder zeugen. Wenn ich auf meinen Wanderungen jemals unsicher war, ob ich noch in Deutschland bin, hier kann mir das nicht passieren. Ich nutze das Gelände für eine kurze Rast und ziehe dann schnell weiter. Es geht wieder landeinwärts direkt durch den Gutshof. Hier scheuche ich Unmengen an Wildgänsen auf, die auf ihrem Vogelzug Rast machen. Sorry Leute, ihr hättet ruhig sitzen bleiben können, ich tu nix!

Wildgänse auf der Flucht
Wildgänse auf der Flucht

Ich laufe durch den verschlafenen kleinen Ort bis zur B1, wo ich mich nach rechts wieder meinem Ausgangspunkt nähere. Bevor ich dort aber ankomme, geht es noch einmal eine Runde in den Wald. Ein kurzes Stück die Zufahrtsstraße zum alten Flughafen Briest, dann nach rechts an den stillgelegten Bahngleisen entlang, die einmal durch Plaue bis nach Kirchmöser geführt haben. Die Justizvollzugsanstalt und das Asklepios Klinikum - beides Bauwerke mit einer mehr als dunklen Geschichte - und die Südspitze des Gördensees ziehen vorüber. Schließlich erreiche ich den Ausgangspunkt meiner Tour, den Bahnhof Görden.

Karte
Daten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), Grafik: CC-BY-SA.