
Schwierigkeit: hauptsächlich Feldwege, bisschen sandig, aber gut begehbar
GPX-File, Tour bei Komoot
Ich beginne meine Tour heute am Hauptbahnhof. Es wird spannend, denn das Breite Bruch, die große Brachfläche südlich von Brandenburg sehe ich immer, wenn ich mit dem Auto Richtung Autobahn fahre. Und immer frage ich mich, wie es da wohl von nahem aussieht. Nun, heute ist die Gelegenheit, das heraus zu finden. Über die Fußgängerbrücke zum kleinen Ortsteil Schützenworth komme ich zum Startpunkt meiner Tour. Es geht durch die Siedlung an den Ruinen eines Bahnbetriebswerkes, einer ehemaligen Disco und einigen Häusern und Gärten vorbei. Bald aber bin ich im mitten im Bruch und von weiter Landschaft umgeben.

“Bruch” ist eine alte Bezeichnung für Sumpf- und Moorlandschaften, typisch für die Niederungen der Norddeutschen Tiefebene. Und sumpfig wird es recht schnell. Ein Großteil des Bruchs ist nicht ohne weiteres begehbar, von kleinen Kanälen durchzogen und mit Sumpfpflanzen und Schilf bedeckt. Für mich geht es zunächst auf einem alten Plattenweg Richtung Göttiner Landstraße. Der Weg ist von der in diesem feuchten Sommer sprießenden Vegetation fast zugewuchert und man meint, auf einem uralten Pfad durch wilde Natur zu wandern. Auf den letzten Metern verstärkt sich der Eindruck, es geht dschungelartig zu. Wüsste man nicht, dass nur wenige Meter weiter vielbefahrene Bahngleise liegen, man würde sich mitten im Urwald wähnen.

An einer Eisenbahnbrücke endet meine Dschungeltour fürs Erste. Die Brücke gehört zu einer aufgegebenen Bahnstrecke, die von einst von Neustadt (Dosse) über Brandenburg und Belzig bis nach Treuenbrietzen verlief. Ein Teil der Strecke (von Brandenburg nach Rathenow) ist noch in Betrieb, der Rest wurde Anfang der 2000er stillgelegt. An diesem Bahndamm wende ich mich nach links.
Mein Weg führt mich jetzt durch eine kleine Laubenkolonie. Neben mehr oder weniger gepflegten Gärten gibt es auch einige verrückte Vehikel zu bestaunen. Leider führt der Weg irgendwann nicht weiter und ich muss - unter einer weiteren Eisenbahnbrücke hindurch - zur Göttiner Landstraße. Dort geht es glücklicherweise nicht allzu weit und bald kann ich wieder links abbiegen und bin nach ein paar Metern wieder in der Natur.

Ich wandere durch Felder, an Weiden entlang und mache schließlich auf einem Hochstand Pause. Eine Regenwolke, die mich schon einige Zeit verfolgt hat, lässt ihre Muskeln spielen und es fängt an zu nieseln. Ein Blick zum Horizont lässt für den weiteren Verlauf meiner Wanderung nichts Gutes erahnen. Und tatsächlich: wenige Meter weiter beginnt es zu schütten. Glücklicherweise habe ich an einen Regenschirm gedacht und so kann ich den Schmerzker Busch genannten Wald in Ruhe bestaunen. Auch hier geht es (teilweise) sehr urig zu. Es ist immer wieder spannend, wie ein nicht industrialisierter Wald aussehen kann.

Als der Regen nachlässt, atme ich auf. Die Freude währt allerdings nur kurz, denn schon möchten sich mir ganze Schwärme an Mücken vorstellen, mit der Bitte mich doch um ein paar Mikroliter Blut zu erleichtern. Da eine Wanderung an sich schon beschwerlich ist, lehne ich dankend ab, was dann dazu führt, dass ich wild um mich schlagend im Laufschritt durch den Wald renne, verfolgt von einem Heer an Mücken. So kann ich leider nur kurz stehen bleiben, um das Reh zu fotografieren, das offenbar keine Scheu vor mir zu haben scheint. Endlich mal ein Tier, das versteht, dass ich ihm nichts tun will!

Als ich den Wald verlasse und die Mücken frustriert kehrt machen, tut sich ein neues Panorama auf. Schmerzke liegt pittoresk, mit Kirchturm und Scheunen, vor mir in den Feldern. Ich mache einen eleganten Schlenker um einige Kuhställe und laufe auf Schmerzke zu. Hinter einer Hecke lauern mir ein paar Kühe auf. Selbstbewusst schreite ich vorbei. Man grüßt sich schweigend und wendet sich dann weiter seinen Tätigkeiten zu. Die Kühe grasen. Ich wandere.

An dieser Stelle laufe ich geradeaus, bis zum Neujahrsgraben. Meiner Karte nach soll ich dann nach rechts abbiegen und dem Weg bis zur Potsdamer Straße folgen. Da ist aber kein Weg. Seufzend stiefele ich trotzdem durch das hohe Gras. Nach wenigen Minuten sind meine Schuhe nass. Tja, da wird meine Frau mich heute Abend wohl nach Zecken absuchen müssen. Ist ja auch ne gute Bonding Experience…

Aber im Ernst: wer hier nicht lang will, biegt bei Schmerzke ab, Richtung B102 und wandert an der Straße entlang. Ist etwas länger, dafür ist man nicht ganz so in intimen Kontakt mit der Natur.
Das letzte Stück meines Weges führt über die Potsdamer Landstraße. Die läuft parallel zur B1/B102 und so etwas ist immer verdächtig. Und tatsächlich zeigt ein Blick auf die Landkarte: Bevor in den 60er Jahren die neue Potsdamer Straße gebaut wurde, führte diese Straße weiter geradeaus und war mit der Straße verbunden, die jetzt die Alte Potsdamer Straße ist. Sie war damals die südlich aus Brandenburg herausführende Route. Man erkennt hier noch schön das alte Kopfsteinpflaster.

Endlich erreiche ich wieder die Fußgängerbrücke am Hauptbahnhof. Meine Tour endet hier und diesmal bin ich froh, wieder zurück zu sein. Das so kleine Dinge wie Regentropfen und Mücken einen so stressen können! Nächstes Mal muss ich den Wetterbericht wohl genauer studieren.

